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Kulturwissenschaftliche Fakultät

Geschichte Afrikas

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Prof. Dr. Joël Glasman

Professur für Geschichte mit dem Schwerpunkt Geschichte Afrikas

E-Mail: joel.glasman@uni-bayreuth.de
Telefon: 0921 / 55-4640
Fax: 0921 / 558-44193
Gebäude: ZAPF-Gebäude Haus Nr. 4, 4. Stock, Raum 14

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Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
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ZAPF-Gebäude Haus Nr. 4, 4. Stock, Raum 14
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ForschungsschwerpunkteEinklappen

Ich bin Historiker mit einem Schwerpunkt auf das frankophone West- und Zentralafrika im 20. Jahrhundert. Ich beschäftige mich insbesondere mit der Geschichte der Staatlichkeit, der Geschichte der humanitären Hilfe, der Globalgeschichte und den Science and Technology Studies (STS).

Meine erste Monographie trägt den Titel „Les Corps habillés: Genèse des métiers de police au Togo“ (Karthala 2015) und untersucht die koloniale und postkoloniale Geschichte von afrikanischen Soldaten und Polizisten. Im Jahre 1963 erlebte Togo als erstes unabhängiges Land in Westafrika einen Militärputsch. Die Putschisten blieben über Jahrzehnte hinweg an den Schalthebeln der Macht. In diesem Buch wird dargelegt, dass sich die Machtposition uniformierter Männer aus der kolonialen Vergangenheit speist. Es erzählt die Geschichte der uniformierten Polizei und der Soldaten, ausgehend von der Gründung einer Polizeieinheit durch deutsche Offiziere („Polizeitruppe“) in den 1880er Jahren, bis hin zu den Sicherheitskräften, die von französischen Kolonisten und der Regierung Sylvanus Olympios aus der Taufe gehoben wurden. Soldaten und Polizisten – so das Argument des Buches – hatten erheblichen Einfluss auf die Machtstrukturen in Togo – sowohl auf den Lebensalltag in Städten und Militärlagern als auch auf die strukturellen Machtverhältnisse im Zusammenhang mit Ethnizität, Staatlichkeit und Männlichkeit. Der togolesische Militärputsch und die Ermordung des Präsidenten Olympio stellten nicht nur einen Präzedenzfall für die afrikanische Geschichte dar, sondern offenbarten gleichsam ein besonderes Spannungsverhältnis zwischen kolonialer und postkolonialer Dominanz.

Aufsätze zum Thema Polizei und Militär in Togo wurden im Journal of African History und History in Africa veröffentlicht. Forschungsüberblicke sowie weitere Diskussionen zur Entstehung von Polizei und Soldatenberufen im zeitgenössischen Afrika findet man in Themenheften von Politique Africaine und Sociologus [siehe Publikationsliste]. 

Ich arbeite zurzeit an der Fertigstellung meiner zweiten Monographie mit dem Arbeitstitel „The Invention of Basic Needs. A History of Humanitarian Knowledge“ [deutsch: die Vermessung der Grundbedürfnisse. Eine Geschichte der humanitären Expertise]. In diesem Buch untersuche ich, welche Rolle internationales Expertenwissen aus dem Bereich der humanitären Hilfe für das Verständnis des Konzepts von „allgemeinen Grundbedürfnissen“ seit den 1960er Jahren spielte. Die Argumentation des Buches richtet sich gegen das klassische Narrativ der humanitären Hilfe, das davon ausgeht, dass zunächst die Existenz von Bedürfnissen gegeben sein muss, damit humanitäre Hilfe geleistet wird. Dem wird entgegnet, dass humanitäre Organisationen zunächst bestimmte „Bedürfnisse“ identifizieren und definieren mussten, bevor sie mit ihren Hilfsaktionen beginnen konnten. Bevor sie tätig geworden sind, gab es keine von vornherein als gegeben wahrgenommene, universelle Liste von Grundbedürfnissen. Im Buch werden vergangene und gegenwärtige Kontroversen über die Konzeptualisierung, Klassifizierung und Quantifizierung von Bedürfnissen eingehend beleuchtet. Das Buch thematisiert die Geschichte unterschiedlicher Konzepte, wie beispielsweise die „Maslowsche Bedürfnispyramide“, die Definition von „basic needs“ durch die Weltbank sowie internationale Standards und Instrumente wie die Mid Upper Arm Circumference (MUAC) und das „Sphere Project“. Ich vertrete die These, dass Hilfsorganisationen zunächst sehr viel Aufwand betreiben mussten, um den menschlichen Körper weltweit vergleichbar zu machen, so dass sie die spezifische Verwendung ihrer Ressourcen rechtfertigen konnten. Erst danach wurde die humanitäre Hilfe zu einem globalen Phänomen. Der nach außen präsentierte Universalismus humanitärer Organisationen kann folglich als Prisma angesehen werden, durch das wir auf eine neue Art und Weise auf die Geschichte der Globalisierung und die Erfindung des Humanitarismus als einem globalen Erwartungshorizont blicken können.

Vorläufige Ergebnisse dieser Studie sind im Journal of Refugee Studies (2017) und in der Zeitschrift Humanity: An International Journal of Human Rights, Humanitarianism and Development (2018) veröffentlicht worden.

In den letzten Jahren wurde meine empirische Arbeit in zunehmendem Maße durch eine kritische Auseinandersetzung mit der Globalgeschichte beeinflusst. Während analytische Begriffe wie „global governmentality“ und „globalization“ in Arbeiten aus der Politikwissenschaft, der Soziologie und der Anthropologie Einzug gehalten haben, äußerten viele Historiker Bedenken gegenüber einer globalisierenden Perspektive auf die Geschichte. In einem Sammelband, den ich zusammen mit Debora Gerstenberger herausgegeben habe (Techniken der Globalisierung. Globalgeschichte meets Akteur-Netzwerk Theorie, transcript 2016), und in weiteren Veröffentlichungen, untersuche ich die Möglichkeiten von Geschichtsschreibung im globalen Maßstab unter Einbeziehung von Actor-Network-Theorien und Sciences and Technology Studies.

PublikationenEinklappen

Verantwortlich für die Redaktion: Florens Eckert

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